Polarlichtgarantie bei Hurtigruten & Havila: Was steckt wirklich dahinter?
Von André Detroit
Experte für Skandinavien, Postschiffreisen und Polarregionen

Polarlicht garantiert? Was hinter dem Nordlicht-Versprechen von Hurtigruten und Havila steckt
Veröffentlicht am: 03. September 2026
Zuletzt inhaltlich geprüft am: 03.September 2026
Autor: André Detroit
Das Wichtigste in Kürze
Hurtigruten und Havila Voyages versprechen Gästen auf bestimmten Winterreisen eine kostenlose zweite Reise, wenn während der ersten Reise kein Nordlicht offiziell registriert wurde.
Gilt das für jede Reise?
Nein. Havila beschränkt das Versprechen auf die 12-tägige Rundreise Bergen–Kirkenes–Bergen zwischen 1. Oktober und 31. März. Bei Hurtigruten gilt es für ausgewählte Reisen von mindestens elf Tagen zwischen 20. September und 31. März.
Muss ich das Polarlicht persönlich gesehen haben?
Nein. Entscheidend ist die offizielle Registrierung durch das Schiff. Wer die Nordlicht-Durchsage verschläft, hat deshalb keinen Anspruch auf eine kostenlose Wiederholungsreise.
Was bekommt man, wenn kein Polarlicht erscheint?
Keine Erstattung des Reisepreises, sondern eine kostenlose sechs- oder siebentägige Reise in einer Innenkabine. Zusatzleistungen und Upgrades sind nicht automatisch eingeschlossen.
Wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass die Garantie greift?
Sehr selten. Havila berichtete 2025, dass seit Einführung des Versprechens 2021 lediglich vier komplette Rundreisen ohne registriertes Nordlicht stattgefunden hätten.
Wer wissen möchte, wo und wann die Chancen auf Polarlichter grundsätzlich besonders gut sind, findet dazu unsere ausführliche Analyse im NTT-Polarlichtindex.
Zwei Versprechen – aber unterschiedliche Bedingungen
Bei Havila Voyages gilt das Nordlicht-Versprechen für die komplette 12-tägige Rundreise Bergen–Kirkenes–Bergen mit Abreise zwischen 1. Oktober und 31. März. Bleibt das Nordlicht aus, erhält der Gast für die folgende Nordlichtsaison eine kostenlose sechs- oder siebentägige Reise zwischen Bergen und Kirkenes – in einer Innenkabine und inklusive der im Tarif enthaltenen Verpflegung.
Hurtigruten fasst das Versprechen etwas weiter. Es gilt derzeit für ausgewählte Reisen entlang der norwegischen Küste von mindestens elf Tagen mit Abfahrt zwischen 20. September und 31. März. Dazu gehören neben der klassischen Postschiffroute auch bestimmte längere Hurtigruten-Reisen. Auch hier gibt es bei ausbleibender Sichtung anschließend eine kostenlose kürzere Reise auf der klassischen Postschiffroute.
Wo ist der Haken?
Eigentlich gibt es keinen versteckten Haken. Aber es gibt eine entscheidende Definition:
Nicht der einzelne Passagier entscheidet, ob ein Polarlicht zu sehen war – sondern das Schiff.
Bei Hurtigruten gilt eine Sichtung, wenn sie von den Offizieren an Deck registriert und den Passagieren mitgeteilt wurde.
Bei Havila muss zusätzlich das Nordlicht-Warnsystem aktiviert worden sein. Havila formuliert ausdrücklich, dass das Schiff entscheidet, ob ein Nordlicht-Ereignis stattgefunden hat – unabhängig von Wetterbedingungen und der tatsächlichen Sichtbarkeit für den einzelnen Gast.
Das bedeutet praktisch: Wenn um 2.17 Uhr nachts der Nordlichtalarm ertönt und Sie beschließen, sich noch einmal umzudrehen, zählt die Aurora trotzdem. „Ich habe sie aber nicht gesehen“ ist kein Grund für eine kostenlose zweite Reise.
Unser Tipp deshalb: Nordlichtalarm einschalten – und notfalls den Bademantel unter die Winterjacke ziehen.
Wer eine Havila-Reise plant, sollte übrigens nicht nur über das Polarlicht nachdenken. Auch die Lage der Kabine kann über guten Schlaf entscheiden. Dazu gibt es unseren internen Beitrag „Kabinencheck Havila Voyages: Wo Sie besonders ruhig schlafen – und wo nicht“.
Die zweite Reise ist kein identischer Ersatz
Auch das sollte man wissen: Wer das Versprechen in Anspruch nimmt, bekommt nicht einfach dieselbe Reise noch einmal.
Bei beiden Reedereien ist die kostenlose Wiederholungsreise kürzer. Ausgangspunkt ist grundsätzlich eine Innenkabine; ein Upgrade ist gegen Aufpreis und nach Verfügbarkeit möglich. Eine Barauszahlung gibt es nicht.
Hinzu kommen Fristen: Bei Havila muss das Versprechen innerhalb eines Monats nach Rückkehr eingelöst werden. Hurtigruten verlangt ebenfalls eine zeitnahe Anmeldung und legt je nach ursprünglicher Reisesaison fest, in welchem Zeitraum die kostenlose Reise stattfinden kann.
Wie oft muss die Garantie tatsächlich eingelöst werden?
Und hier wird das Versprechen besonders interessant.
Havila teilte dem Reisemagazin AFAR 2025 mit, dass seit Einführung des Versprechens im Jahr 2021 lediglich vier komplette Rundreisen ohne registriertes Nordlicht stattgefunden hätten. Daraus seien rund 75 Ansprüche auf eine Wiederholungsreise entstanden.
Auch Hurtigruten hat in der Vergangenheit Sichtungsquoten von rund 99 Prozent auf den langen Winterreisen veröffentlicht. Eine aktuelle jährliche Einlösequote wird derzeit allerdings nicht öffentlich ausgewiesen.
Das erklärt auch, warum beide Reedereien dieses Versprechen wirtschaftlich geben können: Eine zwölf- oder mehrtägige Reise bewegt sich über tausende Kilometer entlang der norwegischen Küste, viele Tage davon direkt unter oder nahe am sogenannten Aurora-Oval. Damit gibt es zahlreiche Gelegenheiten für eine Sichtung.
Fazit: Eine ziemlich gute Versicherung gegen Pech
Eine echte Garantie dafür, dass Sie persönlich ehrfürchtig unter einem grün leuchtenden Himmel stehen, kann niemand geben. Polarlichter bleiben ein Naturphänomen.
Das Nordlicht-Versprechen von Havila und Hurtigruten ist trotzdem mehr als ein Marketing-Gag. Wer die richtige Reise im richtigen Zeitraum bucht und tatsächlich während der gesamten Fahrt kein offiziell registriertes Polarlicht erlebt, bekommt eine zweite Chance.
Und das Risiko, dass Sie diese zweite Chance benötigen, ist offenbar ziemlich klein.
Das größere Risiko dürfte ein anderes sein: Das Polarlicht erscheint – und Sie schlafen.
Von André Detroit | Nordic Team Travel
Redaktioneller Stand: September 2026
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